Fec Tuesday #2: Social Media braucht gute Bilder

von Redaktion

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Gute Bilder bitte: das Kernthema der zweiten Ausgabe des „FEC Tuesday“ des Food Entrepreneurs Club in Berlin. Dieses Mal fand er in der Entretempo Kitchen Gallery statt, die Premiere war im damals noch nicht eröffneten „Nobelhart & Schmutzig“ zum Thema „How to open a restaurant in Berlin these days“. 

Hier meine Notizen der Aussagen der gestrigen Panel-Teilnehmer.

Florian Schmidt: Sein auch dank Social Media sehr gut besuchtes Café „Roamers“ hat montags geschlossen. Dann sitzt er zusammen mit seiner Fotografin Sasha Kharchenko im Café, um neue Social-Media-Aktionen und Fotos durchzusprechen oder zu gleich produzieren. Fotos zu machen, sind Teil seines Marketingbudgets, die Fotografin arbeitet auf Rechnung. Einen durchorganisierten Posting-Plan hat er aber nicht. Neben diesen Profi-Bildern sind es aber vor allem die Kundenbilder, die sich auf Facebook und Instagram verbreiten. Anekdote: Ein Foto eines French Toast mit Feigen hat mal so viel „Buzz“ erzeugt, dass die Nachfrage nach dieser Speise so schnell anstieg, dass die Feigen schnell ausgingen. Luxusproblem durch Social Media! Schmidt mag es aber auch, wenn sich die Empfehlung von Gästen „auf traditionellen Wegen“ verbreiten, sprich von Mund zu Ohr.

200.000 Instagram-Follower hat der Foodblog „Our Food Stories“. Das ist richtig viel. Laura Muthesius, die den Blog zusammen mit Nora Eisermann betreibt, berichtete, man versuche, täglich ein neues fotografisches Food-Thema live zu stellen. Die Bilder sind knackig, die Farben der Speisen oder Zutaten stechen markant heraus. Aber die Bilder sind nicht überstilisiert, geschweige denn künstlich wirkend. Aus Sicht der Bloggerin ist natürliches Licht das A und O: Mag die Atmosphäre in einer abendlichen Gastronomie noch so schön sein, digitale Bilder können das Kunstlicht nicht adäquat transportieren. Das kennt man (u.a. von so manchem meiner Bildern hier auf dem Blog): Es wird dunkel, verschwommen und gelbgräulich. Food-Bilder, auch gastronomische, sollten deshalb tagsüber aufgenommen werden. An einem schön hergerichteten Tisch, und allein dessen Oberfläche sollte vorzeigbar sein. Und: Wer Social Media betreibt, sollte Feedback betreiben. Auf Kommentare und Likes zu Posts reagieren, Interaktion pflegen. Oft fehle die Reaktion, hat Muthesius beobachtet.

Vom großen Pre-Opening-Hype berichtete Milena Glimbowski von „Original Unverpackt“ (mehr zum Konzept in unserem Beitrag auf Das Filter): Das Projekt ist eine der bislang erfolgreichsten Crowdfunding-Kampagnen in Deutschland, statt 25.000 Euro sammelte man über „Startnext“ 110.000 Euro ein und erhielt viele Presseberichte von Medien aus der ganzen Welt. Warum? Ein Supermarkt ohne Verpackung – das ist ein Konzept, das jeder sofort versteht und das viele für unterstützenswert halten. Viele nachfolgende Crowdfunding-Kampagnen, die in eine ähnliche Richtung stießen – Nachhaltigkeit, Handel, Food etc. – seien aus ihrer Sicht deshalb weit weniger erfolgreich gewesen, weil zum einen das Konzept nicht in zwei, drei Wörtern erklärt werden kann und zum anderen, weil gute Bilder fehlten. Die habe man in Form von professionellen Renderings schon vor Kampagnenstart gehabt, man habe nicht allein auf die Fantasie der Menschen gesetzt, wie so ein Unverpackt-Supermarkt wohl aussehen könne.

Moderatorin Mary Scherpe betreibt das digitale Lifestyle-Magazin „Stil in Berlin“, das in den letzten Jahren immer food- und gastronomielastiger geworden ist und sehr viele branchenbezogene Inhalte zu bieten hat. Nahe liegend, denn Berlins Food- und Gastroszene boomt schließlich (lucky us). Und auch das Thema Social Media nehme in diesem Bereich an Bedeutung zu, hat Scherpe beobachtet. Sie findet: Man muss als Gastronom oder Food-Entrepreneur selbst mitmachen, Blogs und Beiträge lesen, aktiv auf Facebook, Instagram, Twitter, Foursquare und Co. sein, um das Thema zu verstehen und um den Stil für seinen eigenen Kanal zu finden. Trial and error: Immer wieder ausprobieren, was funktioniert und was nicht. Und bei allem Social-Media-Hype solle man nicht auf eine Homepage verzichten, rät sie. Allein wegen der Basisinfos wie Öffnungszeiten und einer Telefonnummer, für Infos und Reservierungen.
Was so logisch klingt, ist nicht logisch, denn immer mehr neue Betriebe machen „Facebook only“. Doch dann hat man sich seine Web-Präsenz nur geborgt, gibt seine Inhalte in den Machtbereich eines anderen. Zudem schränkt Facebook seine Reichweiten immer stärker ein, neuerdings bekommen im Schnitt statt schon mageren 16% nur noch 6% derjenigen, die eine Seite geliked haben, diesen überhaupt angezeigt.

Kann ich nur unterstreichen. Und es soll ja Menschen geben, die in irgendeiner Stadt stehen und auf dem Smartphone nach einem guten Restaurant suchen – denen ist mit einer klassischen (bitte mobil optimierten!) Homepage schneller geholfen. Die übrigens auch gute, und zwar sehr Bilder braucht, insofern sind oben genannte Ratschläge auch für diejenigen wichtig, die keine Social-Media-Aktivitäten um ihre Gastronomie betreiben, denn viele Suchenden gehen nach Anzeige der Ergebnisse gleich in die Bilderanzeige – und treffen dort ihre Entscheidung.

Mehr Infos zum Food Entrepreneurs Club hier.

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