Bier brauen für den Frieden: drinkforpeace

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Bier brauen für mehr Genuss und weniger Konflikt: drinkforpeace

Das nennt man aktive Pressearbeit: Auf der Nürnberger „Brau Beviale“ im Herbst 2016 kommen zwei junge Menschen auf mich zu und „überfallen“ mich mit einem kleinen Pitch ihres Startup-Vorhabens.

Es hat, natürlich, was mit Bier zu tun, im Speziellen mit Craft-Bier. Es ist aber darüber hinaus eines mit sozialem Mehrwert, und deswegen höre ich gerne noch ein bisschen genauer zu: „drinkforpeace“ will seine Biere nämlich sowohl in Deutschland als auch in Konfliktregionen brauen und durch Produktion und Verkauf den sozialen Zusammenhalt vor Ort fördern.  

Das erste Bier-Projekt startet in Kürze. In Mostar, Bosnien-Herzegowina, werden die drei Brauer Igor Markovic (Serbe), Vlado Mandic (Kroate) und Omer Mesihovic (Bosniake) gemeinsam „das friedlichste Bier der Welt“ brauen, ein kalt gehopftes „YuPA“ (Yugoslavian Pale Ale) mit dem besonders fruchtigen, slowenischen Aromahopfen „Styrian Wolf“, das eine Jury auf der Nürnberger Braumesse zum besten der mitgebrachten Testsude gekürt hat. Mit jeder verkauften Flasche wird Geld für die Region erwirtschaftet, die immer noch mit Konflikten zu kämpfen hat. Erfuhr ich im Gespräch mit Lena Eberhardt, die im drinkforpeace-Team für die Kommunikation zuständig ist.    

Lena, ihr schiebt euer Projekt zurzeit via Crowdfunding an und die Funding-Schwelle ist bereits erreicht. Damit ist schon vor Ende der Kampagne klar, dass ihr loslegen könnt. Wie sehen denn die nächsten Schritte aus? 

Das erste drinkforpeace-Rezept steht und das benötigte Geld ist da. Und wir sind nicht nur stolz auf unser gemeinsames Brauen und Verkosten mit Bierbrauern aus ganz Jugoslawien, sondern auch auf unseren spektakulären Vorverkauf im Crowdfunding, denn wir haben bereits mehr als 10.500 Euro eingenommen. Das Geld möchten wir nutzen, um unsere erste Charge zu produzieren. Dazu führen wir im Moment finale Gespräche mit einer kleinen mittelständischen Brauerei aus Bayern. Sie soll für uns das Bier, natürlich nach unserem Originalrezept, herstellen, das hier in Deutschland verkauft wird. Etwas zeitversetzt werden wir dann auch die Produktion und den Verkauf im ehemaligen Jugoslawien ankurbeln. 

Ab wann wird man euer Bier kaufen können und was ist über das Bierbrauen hinaus noch geplant?

Im Laden wird das Bier voraussichtlich ab Juni erhältlich sein, also pünktlich zur Sommersaison. Ab März werden wir mit unseren Musterbieren den Vertrieb aufbauen.

Wie muss man sich das vor Ort im ehemaligen Jugoslawien vorstellen, sind die Gräben zwischen den Menschen noch tief? Wie sieht die Situation gut zwei Jahrzehnte nach dem Krieg aus?

Wenn man die herzegowinische Stadt Mostar betrachtet, kann man den aktuellen gesellschaftlichen Konflikt gut nachvollziehen. Einst kämpften dort Muslime, Bosniaken, und kroatische Katholiken gemeinsam gegen Serben. Ein Riss ging buchstäblich durch die Stadt. Im Osten und der Altstadt verschanzten sich die Muslime, im Westen die Katholiken. Die symbolische verbindende Brücke, die der Stadt ihren Namen gab – aus dem slawischen „most“ für Brücke – wurde zerstört. Die ehemalige Frontlinie ist bis heute sichtbar. Das eigentliche Problem sind aber nicht die sichtbaren Folgen des Krieges. Der Konflikt führte zu einer getrennten Gesellschaft. Es gibt heute jeweils nach Religion getrennte Versorgungsbetriebe wie Stromversorger und Telefongesellschaften, getrennte Postdienste, Gesundheitssysteme, Tourismusbüros, Schulen und Universitäten. 

Euer Bier soll einen Beitrag zur Überwindung dieser Trennungen leisten. Fünf Cent pro verkauftem Bier gehen an die „Mostar Rock School“, eine Musikschule, in der Jugendliche aller Ethnien gemeinsam lernen und Musik machen. Können auch Gastronomen sich einbringen und euer Produkt verkaufen? 

Gastronomie spielt eine sehr wichtige Rolle, da dort Menschen zusammentreffen, um zu genießen und sich auszutauschen. Gastronomen können uns gerne direkt kontaktieren und Bier bestellen. Für die Gastronomie generell werden wir Merchandising-Material und andere Formen des Marketings zur Verfügung stellen. Gerne kann Samir (Kadunic, zusammen mit Martin Duchowski Gründer von drinkforpeace, d. Red.) auch Vorortverkostungen und Direktdialoge machen. 

Sprecht ihr schon mit Gastronomen?

Hier in Deutschland beginnen wir gerade mit Betrieben und Ketten zu sprechen. In Bosnien und ganz Jugoslawien sind wir bereits, über unsere Brauer, mit einigen Gastronomen und Kneipiers in den Austausch gekommen. Das Netzwerk werden wir bei Markteintritt noch weiter ausbauen.

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Kalt gehopft: das „Yugoslavian Pale Ale“

Konfliktregionen gibt es – leider – viele. Was wird euer nächstes Projekt sein?

Die nächsten Projekte werden Zypern und Israel/Palästina sein. Nach Zypern fahren wir noch im Januar, um den ersten persönlichen Kontakt mit Craft-Bier-Brauern aufzunehmen und eine für unsere Unterstützung geeignete Organisation vor Ort zu finden.

Wir wünschen euch viel Erfolg!

Wer drinkforpeace unterstützen möchte: Hier geht es zur Crowdfunding-Kampagne, die noch bis Ende Januar läuft. 

Ein weiteres Social Food Business, das mit Produzenten und Erzeugern in Konfliktregionen zusammenarbeitet, ist Conflictfood. Hier unser Portrait.

 

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