
Suppen für alle: Das Projekt Suppkultur in Erlangen bringt Menschen beim Essen zusammen, kostenlos bzw. gegen Spenden. Ein Beispiel für die Idee der Social Gastronomy.
Gastronomie bringt die Menschen zusammen, das ist soweit bekannt. Und gleichzeitig wird Gastronomie immer exklusiver im negativen Sinne, denn viele Menschen mit geringem Einkommen können sich das Erlebnis Gastronomie kaum noch leisten – nicht nur, weil der Restaurantbesuch immer teurer wird, sondern auch und insbesondere alles drumherum: Miete, Lebensmittel im Handel, Energie, Mobilität.
Einkommensschwache Personen bzw. Haushalte ziehen sich immer weiter aus dem Außer-Haus-Markt zurück, zeigen aktuelle Marktforschungsdaten. Damit fällt das Bedürfnis nach Gastronomie – Essen in einer Gemeinschaft – aber natürlich nicht weg. Im Gegenteil: Je geringer das Einkommen/Budget, desto höher die Vereinzelung und Vereinsamung. Und desto größer der Bedarf an dem, was Gastronomie eben auch ist: ein dritter Ort.
An dieser Stelle kommt das Konzept der Social Gastronomy zum Tragen. Sie legt den Fokus auf Gastronomie als ein essentielles Element sozialer Teilhabe, der Inklusion, der Gesundheit und Nachhaltigkeit, ebenso der (Ernährungs-)bildung und des Empowerments. Losgelöst von individuellen Budgets, versteht sie sich als Brücke zwischen Menschen und sozialen Gruppen. Ein Beispiel dafür sind die Public Diners von Nourish Scotland, die staatlich unterstützt werden und gute, gesunde Mahlzeiten zu erschwinglichen Preisen anbieten – für alle Menschen. Eine ähnliche Funktion haben die Milchbars in Polen (bar mleczny) sowie die Bouillons in Paris (diese hatten es zumindest ursprünglich) inne. Weltweit vernetzt das Social Gastronomy Movement die Bewegung.
Ein schönes (und noch seltenes) Beispiel aus Deutschland ist das Projekt Suppkultur aus Erlangen in Franken: Seit April 2025 kochen der Unternehmer im Ruhestand Herbert Elsner und seine Mitstreiter*innen einmal pro Woche im Stadtteilhaus Treffpunkt Röthelheimpark eine Suppe. Die Zutaten werden privat vorgestreckt, die Suppe ist kostenlos, Spenden werden gerne entgegengenommen. Alle sind willkommen, gegessen wird am langen „communal table“, sodass man ins Gespräch und in den Austausch kommt. Schnell war das Angebot so beliebt, dass man mehr Nachfrage als Angebot hatte, aber auch immer mehr Menschen wollten mithelfen. Und so gibt es „Suppkultur“ mittlerweile an sechs Standorten in Erlangen (u.a. in Stadtteilzentren un Gemeindezentren), zudem an unterschiedlichen Tagen, sodass fast die ganze Woche abgedeckt wird. Ab Februar werden es dann sogar sieben sein.
Mehr dazu im Video:
Mehr zum Thema Social Gastronomy gibt es in diesem Event-Nachbericht von Kantine Zukunft.
Könnte die Idee auch etwas für die professionelle/kommerzielle Gastronomie sein – etwa in Form sehr erschwinglicher, einfacher Basisgerichte? In Österreich wird das jedenfalls gerade diskutiert.
