Nachwuchssorgen in Hotellerie und Gastronomie: Mit Employer Branding Millennials ansprechen

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Laura Klingenberg rät zu Employer Branding, um sich um Millennials zu bewerben

Vorwort von Jan-Peter Wulf, nomyblog:

Laura Klingenbergs Artikel „Nachwuchssorgen in Hotellerie und Gastronomie: Das sagen die Azubis“ vom 27. März hat viele Reaktionen erzeugt – Zustimmung, Ergänzung, aber auch Kritik. Keines Falls sollte er ein „Branchen-Bashing“ sein, sondern einfach wiederspiegeln, was Azubis sagen und denken. Nicht objektiv, nicht repräsentativ, aber in Form eines Stimmungsbilds. Dass dieses so negativ ausfällt, sollte uns alle, die sich als Akteure dieser Branche verstehen, Gastronomen, Hoteliers, Dienstleister, Bericht erstattende Medien und so weiter – zu denken geben und zum Handeln auffordern. Ja, es gibt Ausbildungs-Initiativen, und ja, es gibt Betriebe, die richtig, richtig viel für ihr „Humankapital“ tun.

Aber, und das möchte ich auch sagen, es ist längst nicht genug. Bin ich auf Ausbildungsmessen unterwegs (das kommt öfter vor), ist es an den Ständen der Betriebe und Verbände der Hoga-Branche oft ruhig, im Fokus der Jugendlichen stehen andere Branchen. Zum Beispiel die Medienbranche, aus der ich komme (und zu der ich sagen kann: Hier glänzt es nach außen hin deutlich mehr, als es im Kern tatsächlich ist). Dabei ist, und das lässt sich im Feedback auf Lauras Artikel auch lesen, die Gastronomie- und Hotelleriebranche eigentlich eine schöne Branche. Eine mit vielen Möglichkeiten, mit Raum zur Selbstentfaltung, mit der Option, wohlhabend zu werden und eine, die international ist. 

Nur: Es muss an die Jüngeren vermittelt werden, der Nachwuchs braucht Chancen, will verstanden und einbezogen werden (dazu habe ich hier geschrieben) und will Arbeitsbedingungen, die zeitgemäß und nicht überkommen sind. Wie es gehen kann, damit beschäftigt sich Laura in diesem Beitrag ihrer Reihe.

Und damit übergebe ich das Wort an sie. 

 

Das Gastgewerbe stellt sowohl für Akteure der Branche als auch für Gäste eine der spannendsten und inspirierendsten Arbeitswelten dar und liegt vielen Menschen am Herzen. Nicht umsonst stößt man heutzutage beim Fernsehen auf mindestens eine Kochsendung. Daher ist es um so trauriger und schockierender, dass einigen Auszubildenden immer noch verwehrt wird, die Schönheit der Branche kennen zu lernen.

Immer noch? Ja! Denn wir schreiben das Jahr 2017. Die sogenannten Millennials stehen denjenigen gegenüber, die sich von ihren „antiquarischen Führungsstilen” nicht trennen können, wie Alexander Aisenbrey, der Vorsitzende von „Fair Job Hotels“ es in einer an mich gemailten Stellungnahme zu meinem vorherigen Beitrag nennt. Die Initiative von Tophotels, der er vorsitzt, engagiert sich für zeitgemäße Arbeitsbedingungen.

Denn Fakt ist: Millennials übernehmen nach und nach das Ruder. Laut erfahrenen Arbeitgebern stehen Erfolgserlebnisse, Transparenz und Selbstständigkeit bei den Auszubildenden sehr stark im Kurs. Eine schnelle Anpassungsfähigkeit an den Puls der Zeit und Freude an dem Elan dieser Generation garantieren heutzutage den Unternehmen den Erfolg. Die Zeit des „Employer Brandings“ ist gekommen, zu dem auch Daniela Welter, Director of HR des „Hotel Adlon“ in Berlin rät: „Ein stärkeres Employer Branding ist für das Image der Branche in Zukunft sicherlich sehr hilfreich”.

Das Employer Branding ist ein Marketingkonzept, das dem Arbeitgeber den Ruf als attraktiven Arbeitgeber aufbaut und dadurch die Rekrutierung von Personal erheblich vereinfacht. Das „Hotel Adlon“, das Sterne-Restaurant „Facil“, der Hotelier des Jahres 2014, Ingo C. Peters, bereits vorgestellter Alexander Aisenbrey, das 2016 mit dem „IST-Arbeitgeber-Stipendium“ ausgezeichnete „Hotel Palatin“, die „Johannesbad Gruppe“ und der „Capital Club“ in Berlin: Sie alle wenden erfolgreich Employer Branding an. 

Gemäß § 1 des Berufsbildungsgesetzes ist das Ziel der Ausbildung “(…) die für die Ausübung einer qualifizierten beruflichen Tätigkeit in einer sich wandelnden Arbeitswelt notwendigen beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten (berufliche Handlungsfähigkeit) in einem geordneten Ausbildungsgang (…)” zu erlangen.

Dass die Ausbildung zu einem/einer beruflich handlungsfähigen Restaurantfachmann/-frau weitaus mehr abverlangt, als sich ein dickes Fell anzutrainieren, weiß auch Manuel Finster, Restaurantleiter des berühmten zwei Sterne-Restaurants „Facil“: „Unsere Auszubildenden kommen mit unseren Gästen sehr schnell nach Beginn der Ausbildung in Kontakt. In unserem Gourmet-Restaurant erlangen unsere Auszubildenden jedoch durch die Komplexität der Tätigkeit die totale Selbstständigkeit am Gast tendenziell gegen Ende der Ausbildung.” Jede Handbewegung, sei es im Service, in der Küche, an der Rezeption, in der Verwaltung, oder im Housekeeping sollte in ihrer eigenen Komplexität ernst genommen werden- sowohl von Arbeitgebern, als auch von Arbeitnehmern dieser Branche. Genau das ist es schließlich, warum sich Tausende Zuschauer für Koch-Shows im Fernsehen begeistern. Um dieser Komplexität gerecht zu werden und falls Ausbilder nicht sowieso schon praktizieren: Es sollte an das Berufsschulwissen der Auszubildenden angeknüpft werden. Geben Sie den Auszubildenden die Möglichkeit, das theoretische Wissen in der Praxis umzusetzen. Bitten Sie ihre Auszubildenden beispielsweise die erlernten Servietten-Falttechniken erneut zu demonstrieren.

Für einen kontinuierlichen Lernzuwachs kann beispielsweise ein Pate sorgen, der sich während der kompletten Ausbildung um seinen Auszubildenden kümmert. Im „Hotel Adlon“ wurde sogar eine HR-Mitarbeiterin eingestellt, die sich exklusiv um die Belange der Azubis kümmert: Nicole Roose hat das Zeitkonto jedes Auszubildenden stets im Blick, stets ein offenes Ohr für ihre Auszubildenden, stellt den Azubis Paten zur Seite, organisiert monatliche Azubi-Meetings und Stammtische, kümmert sich um die „Adlon University“, eine speziell ausgearbeitete Trainings-Plattform für Auszubildende und trägt mit vielen weiteren Aktivitäten maßgeblich dazu bei, dass das Hotel bei Nachwuchskräften beliebt ist: „Unsere Abteilungsleiter bekommen ein regelmäßiges Training für eine gerechte Dienstplan-Gestaltung. Unser Dienstplan-Zeiterfassungssystem zeigt uns, ob sie sich auch daran halten. Außerdem finden regelmäßig Kontrollen und Meetings dazu statt.”

Work-Life-Balance: Für Millennials ein großes Thema. „Ich sehe kein Problem darin, meiner Mitarbeiterin Donnerstagabend ihre Yogastunde zu ermöglichen. Eine gute, vorausschauende Planung und ein wenig mehr Koordinationswille sind dafür von Nöten”, so Ingo C. Peters, ausgezeichnet als Hotelier des Jahres 2014 und spricht dabei den zweiten wichtigen Faktor für eine erfolgreiche Ausbildung an: Transparenz. Sie bedeutet in diesem Falle die Nachvollziehbarkeit von Dienstplänen, aber auch die Möglichkeit, sein Stundenkontingent jederzeit einzusehen. „Durch unser elektronisches Zeiterfassungssystem schaffen wir Transparenz für unsere Mitarbeiter und geben Ausnutzungsgedanken keinen Nährboden”, erklärt Sandra Neureither, Personalleiterin des „Hotel Palatin“, das zu den „Fair Job Hotels“ gehört und 2016 das „Top Job“-Siegel aus den Händen des ehemaligen Bundeswirtschaftsministers Wolfgang Clement erhielt. Über dieses Zeiterfassungssystem können die Azubis ihre Freizeit -und Urlaubswünsche in einem persönlichen Intranet eintragen, welches wiederum für alle Abteilungsleiter zugänglich ist. Außerdem werden die Arbeitnehmer angehalten, ihr Stundenkontingent ständig im Auge zu behalten und selbstständig dieses auszugleichen, falls Über- oder Minusstunden auftreten.

Stichwort Zeit: Es geht nicht nur um Arbeitszeit. Sondern auch darum, sich diese für Mitarbeiter zu nehmen. Sprechen Sie über Freizeit- oder Schichtwünsche. Nehmen Sie sich als Auszubildender die Zeit, das Erlernte aus der Berufsschule in der Praxis zu üben und Ihrem Ausbilder Ihre Freizeit-und Urlaubswünsche im richtigen Zeitpunkt charmant beizubringen. Und als Eltern: Nehmen Sie sich die Zeit, einen potentiellen Arbeitgeber ihrer Kinder genauer unter die Lupe zu nehmen. 

Auch im nächsten Beitrag in zwei Wochen wird es darum gehen, wie Unternehmen ihr Employer Branding beflügeln, sich vom Wettbewerb absetzen und  dem Image dieser faszinierenden Branche zu neuem Glanz verhelfen können.

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