Ein Hochprozenter zum Geburtstag des Naturforschers: Humboldt Gin von den Spreewood Distillers

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Macht nicht nur Whisky und Korn aus Roggen, sondern jetzt auch Gin: Steffen Lohr, Spreewood Distillers. Fotos: Susanna Glitscher

Einen besonderen Ort, nämlich den Botanischen Garten Berlin, hatten sich die Spreewood Distillers für den Launch ihres neuesten Produkts ausgesucht und luden die Gäste an einem warmen Abend im Mai ins idyllische Grün im Südwesten der Hauptstadt ein.

Zwischen Palmen und Kakteen stellten die Destillateure aus dem Spreewald die Erweiterung ihrer Range vor: den Humboldt Gin. Diesen haben sie zum 250. Geburtstag des Naturforschers Alexander von Humboldt gemeinsam mit dem Botanischen Garten Berlin und dem Deutschen Historischen Museum entwickelt.

Als Basis für den Gin dient – wie beim Whisky und auch beim Korn der Spreewälder – Roggendestillat, verfeinert mit 21 Botanicals. Darunter befinden sich sieben, die Alexander von Humboldt auf seiner berühmten Amerikareise gesammelt hat: Epazote, Congona, Angostura- und Chinarinde, Guaraná-Samen, Piment und blauer Salbei. Serviert wurde der Gin am Abend als klassischer Gin Tonic, als „Explorers Negroni“ mit Vermouth und Campari, als „Adventurous Collins“ mit Zitrone, Zucker, Johannisbeerlikör und Soda und als „Humboldt Free Spirit“ mit Yerba Mate Iced Tea. Drinks, die sicher auch dem großen Alexander von Humboldt gefallen hätten. 

Aber wie kam es eigentlich dazu, warum noch ein Gin und welche Pläne hat das Spirituosen-Startup mit seinem neuen Produkt?Wir haben uns mit Steffen Lohr, einem der drei Gründer und zuständig für die Produktion, unterhalten.

Der Humboldt Gin ist jetzt ganz neu auf dem Markt. Wie seid ihr auf die Idee gekommen, einen Gin zu produzieren?

Steffen Lohr: Es gibt eine besondere Story zu ihm. Schuld an seiner Entstehung ist eigentlich mein Sohn, der in die Kita geht und dort mit dem Sohn von David Blankenstein befreundet ist. David wiederum ist der Kurator des Deutschen Museums für das Humboldtjahr, kam auf mich zu und hat gefragt, ob wir nicht einen Gin machen wollen. Um ehrlich zu sein, haben wir uns erst gedacht: Ach, nee. Die Anfrage bekommen wir viermal die Woche, aber das Setup hat dieses Mal einfach gepasst. Dann habe ich mit meinen beiden Partnern Sebastian (Brack) und Basti (Heuser, Anm. d. Red.) gesprochen und wir haben beschlossen, das zu machen. Die Kontakte zum Botanischen Garten waren da, die Geschichte mit Humboldt passte, dann haben wir einfach losgelegt.

Wie habt ihr die Botanicals ausgewählt?

Mit Patricia und Nils vom Botanischen Garten haben wir uns hingesetzt und bestimmte Botanicals rausgesucht, die in Frage kommen würden. Die meisten Pflanzen hat Humboldt natürlich irgendwo in Südamerika gesammelt und die bekomme ich hier gar nicht ran. Sie einfliegen zu lassen, das würde den Rahmen sprengen. Dann wären wir bei irgendwelchen Fantasie-Gins, die 50 Euro und mehr kosten, aber das war nicht unser Ziel. Unser Gin fußt auf bestimmten Botanicals, bei denen Alexander von Humboldt Erstbeschreiber war. Dazu gehört Congona, was man auch Zimt der Kanaren nennt, Chinarinde, Guaraná-Samen und mein Lieblings-Botanical: der mexikanische Gänsedürsenfuß. Den bekommt man hier auch ganz gut.

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Dazu gesellen sich dann mehr oder minder klassische Botanicals. Wachholder muss natürlich dabei sein und dann ganz ganz viele Zitrusfrüchte. Das fängt an bei frischen Orangenzesten, geht über auf Zitronen- und Limettenzesten und dann auf Lemongrass. Also viel Fruchtigkeit und vor allem viel Frische wollten wir reinpacken, das war uns wichtig. Viele Blüten außerdem, damit er spritzig, floral, blumig schmeckt. Deshalb sind auch Lavendel- und Rosenblüten drin. Dazu Piment, der ebenfalls sehr blumig ist und eine ganz leichte Pfeffrigkeit reinbringt. Und so saßen wir dann im Labor, haben ganz viele Sachen erstmal mazeriert, dann probiert. Einige sind dann direkt rausgefallen, weil sie modrig geschmeckt haben.

Wieso jetzt noch ein Gin? Was ist anders beim Humboldt?

Die Intention. Wir haben eine Destillerie, haben uns dem Roggen verschrieben und machen primär Roggen-Whisky. Und den machen wir ziemlich gut. Jetzt ist natürlich die Frage, welche Whisky-Hersteller kennst du, die guten Gin machen? Ad hoc fällt mir da niemand ein. Es besteht natürlich die Gefahr der Verwässerung, man muss aber eben auch sagen: Wir sind mit dieser Firma all in, wir alle drei. Was wir machen, muss funktionieren. Deswegen ist am Ende natürlich auch der Cashflow wichtig und Whisky machen ist teuer. Es dauert ewig lange und die Produkte an sich sind kostenintensiv. Deshalb kam uns der Gin ganz gelegen – und die Story hat einfach gestimmt.

Was ist heute wichtig, wenn man einen Gin entwickelt?

Wenn man schaut, welche Produkte in den letzten zehn Jahren auf den Markt gekommen sind, ist die Qualität immer wichtig, du musst schmecken was da drin ist. Und dann kommt als nächstes: Es muss gut aussehen, es muss die Leute ansprechen. Und die Geschichte muss natürlich stimmen. „Drink less but better“ und jeder will am Ende auch noch wissen wie hieß die Kuh, wie hieß die Milch, am besten noch den Käse beim Vornamen nennen. Das alles zahlt drauf ein und am Ende wurde die Nummer für uns immer runder. Aber bitte: keinerlei neue Ginanfragen! Wir haben unser Deckelchen gefunden und werden keine weiteren Gins produzieren.

Ist der Humboldt Gin ebenfalls im Spreewald zuhause?

Wir sehen uns markentechnisch eher in Berlin beheimatet. Ich bin stolz auf Brandenburg, auf meine Mitarbeiter, auf das, was wir dort vor Ort machen. Aber am Ende findet der Marktaufbau im kosmopolitischen Berlin statt. Wo die Leute aus Deutschland vorbeikommen, unsere Marken sehen und wahrnehmen, das ist uns wichtig. Deshalb ist für uns der Kernmarkt ganz klar Berlin.

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Wie positioniert ihr den Gin auf dem Markt?

Gute Frage, nächste Frage. Am Ende ist es das gleiche Publikum, das wir auch mit unserem Whisky ansprechen. Auch hier sind wir über Preissenkungen in einem echt guten Segment angekommen mit plus minus 30 Euro für 0,7 Liter. Beim Gin war uns wichtig, keinen nächsten Fantasten-Gin zu machen, bei dem die Ausstattung wie der Korken in der Flasche wahrscheinlich teurer ist als der ganze Inhalt. Wichtig ist es uns, ehrlich zu arbeiten, ein ehrliches Produkt zu machen und dafür einen adäquaten Preis zu verlangen.

Wo liegt der? 

Aktuell bei 22,90 Euro für 0,7 Liter, was wirklich fair ist. Wir hatten sogar das Problem, das Leute ihn nicht kaufen wollten, weil sie dachten – das kann nichts sein, wenn es so billig ist. Es ist aber was, und unser Ziel war einfach, einen Topgin zu einem annehmbaren Preis zu machen.

Ihr habt ein ganz neues, eigenes Vertriebsteam. Wie werden sie den Humboldt Gin in die Bars bringen?

Wir haben aktuell zwei Jungs in unserem Sales-Team, die sich ganz klar auf den Whisky fokussieren. Aber in den meisten Bars ist auch immer noch Platz für einen Gin. In dem Preissegment, in dem wir uns bewegen, ist es natürlich auch interessant für den Gastronomen im Pouring zu landen. Also dass alle Drinks, die auf der Karte stehen, mit Humboldt Gin gemacht werden. Das war unser Ansehen, um eben am Ende auch wirklich Flaschen zu drehen und nicht in Schönheit zu sterben. Denn schlussendlich hängen an unserem Unternehmen auch zwölf Familien dran, die wir irgendwie ernähren müssen.

Vielen Dank, Steffen. 

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