
Foto: proudtokellner e.V.
Die Kaffeepause ist der monatliche digitale Impulstalk von proudtokellner e.V. – im Mai fand er live auf dem Foodfestival zu Tisch! in Wirsberg statt. Juliane Kunert, Restaurantfachfrau und Mitgründerin der Initiative, sprach mit Psychologieprofessor und Gründer des Vereins freaksforfuture e.V. Claus-Christian Carbon und nomyblog-Herausgeber Jan-Peter Wulf darüber, wie sich Gastronomie im KI-Zeitalter verändert.
Reservierungssysteme, die nachts selbstständig Tische vergeben. Algorithmen, die den Wareneinsatz optimieren. E-Mails, die automatisch vorsortiert werden. All das ist längst Realität – und funktioniert. Julinane Kunert bringt es pragmatisch auf den Punkt: KI sei ein zuverlässiger Kollege, den man gezielt einsetzen und bei Bedarf auch mal „an die Steckdose stecken“ kann. Den Roboter, der einem den Teller an den Tisch fährt, sieht sie entspannt – in manchen Betrieben macht das schlicht Sinn. Was sie sich dagegen nicht vorstellt: dass eine Maschine die Tischstimmung liest, spontan auf eine Unverträglichkeit reagiert oder mit einem Witz einen Fauxpas rettet. Prof. Carbon ergänzt: Genau in dem Moment, in dem eine Technologie eine Branche zu verdrängen droht, beginnt die eigentliche Innovationsarbeit: Durch KI wird uns erst klar, was die echten Werte eines Menschen sind.
Doch während die Branche über KI diskutiert, lernen Azubis in der Berufsschule noch, wie man ein Reservierungsbuch von Hand führt. Proud to Kellner arbeitet deshalb aktiv daran, die Lücke zu schließen – mit Ergänzungsmodulen zu digitalen Tools, KI und Social Media. Am Ende stand ein kulturoptimistisches Bild: Gastronomie als einer der letzten echten „dritten Orte“, an denen Menschen zusammenkommen, die sonst vielleicht nichts miteinander verbinden würde. Ein Tisch mit einem freien Platz – das ist das Symbol, das Carbon für seinen Verein Freaks for Future gewählt hat. Und das, so die Überzeugung aller Beteiligten, kann kein Algorithmus ersetzen.

