
Restaurantportale sind eher selten geworden. Umso spannender ist der Start von The Menù aus Hamburg: ein kuratiertes Empfehlungsportal, das die Betriebe nicht bewertet, sondern mit Geschichten erlebbar macht. Und mit einer persönlichen Treffereingrenzung arbeitet.
Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal auf nomyblog ein Restaurantportal vorgestellt habe. Neue Vertreter dieser Art scheinen selten geworden zu sein in Zeiten, in denen sich viele über Social-Media-Kanäle informieren, was es an gastronomischem Angebot gibt, wer neu aufgemacht hat und so weiter. Das ist mitunter mühselig , muss man sich doch durch Storys und Reels klicken, in Highlights nach Speisekarten suchen (und findet bei Insta wegen der Sortierung von alt nach neu 102 Wochen alte Einträge), und nicht immer sind die Öffnungszeiten hinterlegt. Ihr hört hier jemanden jammern, der noch an Ausgaben des legendären Marcellino’s Restaurant Report und für des Elle Bistro Guide, beide gedruckt, auf Papier mitgeschrieben hat.
Umso mehr hat der Launch von The Menù aus Hamburg mein Interesse geweckt. Entwickelt wurde das Portal von der ortsansässigen Agentur Kaiserhappen, hinter welcher der Kochbuchautor Stevan Paul und sein nicht minder kulinarisch versierter, mit IT-Skills ausgestatteter Kollege Oliver Wagner stehen. Und finanziert wird es nicht von den gastronomischen Betrieben, sondern von Partnern und Unterstützern, zu denen u.a. die Hamburg Tourismus GmbH, das Food-Festival OPEN MOUTH.hamburg sowie Chefs Culinar gehören. Überhaupt: Hamburg. Es ist spannend zu sehen, was dort derzeit alles rund um die Gastronomie passiert. Dort gibt es seit über fünf Jahren das Foodlab für Startups. Es gibt mit dem Genussmichel einen Gastro-Award, der auch außerhalb der Stadt wahrgenommen wird. Es gibt das Food Innovation Camp der Handelskammer, mittlerweile internatinoal, den Genussguide mit neuer B2B-Sparte und – ganz besonders in diesem Jahr – eine Menge spannender Neueröffnungen.
Da kommt The Menù gerade richtig. Es ist kein Bewertungs-, sondern Empfehlungsportal mit rund 150 ausgewählten, regelmäßig (so die Ankündigung) aktualisierten und wechselnden Betrieben – vom hanseatischen Klassiker bis zum Sternelokal, vom Geheimtipp bis zu Nachbarschaftstreff. Bars bzw. Restaurants mit Barkompetenz sind auch dabei. Was ich besonders schön finde, ist die Art der Auswahl für die User*innen. Das Prinzip kenne ich, die kennt wohl jede*r, der/die über Gastro schreibt. Oft werde ich nach einer Empfehlung gefragt und tja, was soll ich dann sagen? Am besten stellt man Gegenfragen: Was ist dein Anlass? Wer kommt mit? Wie soll die Stimmung sein, romantisch, ruhig, lebhaft? Welche Küchenrichtung bzw. willst du was Bekanntes oder lieber Neues entdecken? Und last but not least, wie viel Geld darf’s kosten?
Exakt so arbeitet das Portal: Aus der großen Vielfalt ergibt sich mittels Eingrenzung durch fünf Fragen eine kleine Selektion. Und wenn dann drei, vier Vorschläge übrig bleiben, macht es Spaß, nicht wahr? Zumal jedes Konzept mit einem redaktionellen Text vorgestellt wird: Küche, Atmosphäre, Getränkebegleitung, Philosophie. Von einem kundigen Menschen geschrieben, storyartig. Das hat etwas wunderbar Nostalgisches. Monatlich wechselnde Sammlungen zu Themen, Stadtteilen und kulinarischen Entdeckungen sollen diese Empfehlungen ergänzen und: das Ganze erscheint in fünf Sprachen (Deutsch, Englisch, Niederländisch, Dänisch und Spanisch), Hamburg will nämlich in Sachen Food auch international sichtbarer sein. Natürlich auch als App.
Denn man tau und viel Spaß beim Entdecken.
