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Mit Tim Lentl hat das Restaurant Qiu im Hotel The Mandala Berlin einen neuen Küchenchef. Seine Küche präsentiert Produkte aus verschiedenen Regionen Deutschlands, auf Gourmetniveau zum moderaten Preis.
Zu wenig zu essen gibt es am Potsdamer Platz wahrlich nicht. Foodcourts, Foodhalls, unterirdische Futtermeilen, große Systembetriebe von indisch bis bayerisch, oft Märkte mit Imbissangebot direkt an der Kreuzung … Quantität: Haken dran. Qualität? Geschmackssache, Budgetfrage. Die absolute kulinarische Spitze bildet, und das seit vielen Jahren, das Facil im Hotel The Mandala Berlin. Es feiert dieses Jahr 25. Geburtstag, hat seit 13 Jahren zwei Sterne und – das ist selten geworden – mit Michael Kempf einen Küchenchef, der fast seit Beginn hier ist.
Deutsche Vielfalt
Wir waren kürzlich zu Besuch. Nicht im Facil, sondern in der ersten Etage. Dort befindet sich das Restaurant Qiu – übrigens auch schon seit 2001. Der Name lässt vielleicht asiatische Küche vermuten, doch die Küche ist deutsch. Und dieses seit Frühling 2026 noch klarer und konturierter. Denn mit Tim Lentl ist ein Eigengewächs des Hauses bzw. der ehemalige Souschef Kempfs nun neuer Küchenchef des Casual-Dining-Restaurants, und er hat sich zum Ziel gesetzt, seinen Gästen „alles zwischen Küste, Wiese und Feldern“ zu präsentieren und damit die heimische Vielfalt.

Tim Lentl und Michael Kempf. Foto: Steffen Sinzinger

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Das gelingt sehr gut. Es geht hoch oben im Norden los mit Büsumer Krabben und Dill auf Brioche – und das Gericht ist auch gleich unsere Empfehlung, wenn es nur etwas Kleines sein soll. Hervorragend. Wer mehr und weiter genießen will, kann dies entweder au menu oder à la carte tun. Die Dry-Aged-Forelle aus der Lüneburger Heide mit Mangold, Riesling und Buttersauce ist ebenfalls sehr zu empfehlen, gereifter Fisch ist im Gegensatz zu Fleisch immer noch vielen Gästen unbekannt, wenn nicht gar suspekt, aber dies völlig zu Unrecht. Brust vom Weidehuhn aus der Prignitz, Wagyu-Bavette aus dem Vogelsberg (Sous-vide-Garung, serviert mit einem Chimichurri aus deutschen Kräutern) oder als vegetarische Option Erbsen mit Kapuzinerkresse und Eigelb – alles ist geschmacklich präzise. Und, da schimmern die Sterne von oben drüber durch, auch ansehnlichst geplatet. Was fehlt, ist die namentliche Nennung der Erzeugerbetriebe in der Karte. Über die Herkunft der Produkte wird man auf Nachfrage selbstverständlich informiert, aber es würde den Produktküchen- Auftritt schön abrunden. Ist ja ne Kleinigkeit. Nun wird es interessant werden zu beobachten, wie Lentl das Thema Saisonalität umsetzt, die Karte solle mit den Jahreszeiten wechseln.
Bitte auch die Bar besuchen
Wir sollten also bald mal wieder vorbeischauen. Das ist auch drin: Denn zu einem Menüpreis von unter 80 Euro (für sechs Gänge plus Amuse bouche, Stand Sommer 2026) serviert das Qiu deutsche Küche auf Gourmetniveau. So manches gehypte Berliner Small-Plate-Sharing-Konzept zieht dem Gast einen vergleichbaren Betrag aus der Tasche, nur ohne vergleichbare Leistung. Kurz: Das Qiu ist ein echter Geheimtipp, explizit auch für Einheimische. Ja, es ist ein Hotelrestaurant und das Interieur grenzt sich vom Hotel keineswegs ab, man muss an der (freundlichen) Rezeption vorbei und die Treppe hinauf gehen, das ist der vielzitierten Zugänglichkeit – man will Berliner*innen erreichen – nicht gerade zuträglich. Aber: Es lohnt sich.
Und auf einen Cocktail zu bleiben oder damit zu starten, lohnt sich auch. An der langen Bar werden gute Drinks gemixt, zum Beispiel der „El Unikato“ mit Tequila, Crème de Cassis und Ginger Beer. Klassiker vom Old Fashioned bis zum edlen Prince of Wales gibt es sowieso, nebst einer großen Pur-Spirituosen-Selektion. Die Weinkarte führt neben deutschen auch französische, spanische und italienische Positionen, auch einige aus der Neuen Welt. Und wie das Facil ist auch das Qiu zum Lunch geöffnet.
