„Ein Großteil unserer Arbeit: besondere Biere beschaffen“ – Interview mit Jenia Semenova und Corbin Crnkovic, Muted Horn Berlin

von Johannes Nielsen
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Jenia Semenova und Corbin Crnkovic betreiben das „Muted Horn“ in Neukölln. Foto: Nailya Bikmurzina

Vor knapp zwei Jahren eröffnete in Neukölln mit dem Muted Horn in der Flughafenstraße eine Craft-Beer-Bar mit kanadischem Einschlag bzw. Schwerpunkt. Was darin begründet liegt, dass die beiden Gründer aus Kanada stammen – einem Land, in dem wie in den USA das Thema handwerkliche Biere schon wesentlich länger eine Rolle spielt als in Deutschland.

Johannes Nielsen hat sich mit den Betreibern Jenia Semenova und Corbin Crnkovic zum Gespräch getroffen. 

Ihr kommt beide aus Vancouver, richtig? Was habt ihr dort gemacht, bevor ihr euch entschieden habt, nach Berlin zu gehen?

Jenia: Ich bin in Alberta geboren und dann nach der Schule nach Vancouver gezogen. Dort habe ich in verschiedenen Bereichen für einen Teehersteller im Premium-Segment gearbeitet. Ich habe aber auch zuvor schon immer in der Gastronomie gearbeitet.

Corbin: Ich bin eher Quereinsteiger. Ich war ein professioneller Poker-Spieler …  

Jenia: … aber das Kapitel ist abgeschlossen (lacht).  

Wieso Berlin?

Corbin: Ich kannte die Stadt, ich habe hier mal ein halbes Jahr gelebt. Ich glaube, es ist schwierig eine Großstadt zu finden, die so viele Möglichkeiten und kreative Freiräume bietet und trotzdem nicht anstrengend ist. 

Und warum eine Craft-Beer-Bar?

Jenia: In Vancouver haben wir die lokalen Craft-Beer-Sorten probiert, sind auf den Geschmack gekommen und haben daraufhin durch die USA gereist, Festivals besucht und Brauereien besichtigt. Und im Oktober 2016 haben wir dann das Muted Horn eröffnet.

Corbin: Wir wollten eigentlich früher aufmachen, aber es gab Verzögerungen, unter anderem wegen der Bauarbeiten.

Wie habt ihr die Räumlichkeiten gefunden?

Jenia: Wir haben jeden Tag alles durchforstet und diesen Laden haben wir dann online gefunden. Zu der Zeit haben uns noch viele für verrückt erklärt, als wir meinten: Wir wollen unsere Bar in Neukölln eröffnen. Es gab hier auch sonst keine Konkurrenten. 

Corbin: Und wir hatten nur einen Rohbau, komplett aus Beton, aber wir hatten Glück mit der Hausverwaltung, die uns sehr bei unserem Vorhaben unterstützt hat. Sie haben sich um alles Technische gekümmert, wie Heizung, Lüftung und Sanitärarbeiten und natürlich den Schallschutz. Somit mussten wir uns nur wenig mit dem Bauamt rumschlagen und konnten uns auf den Innenausbau und die Gerätschaften konzentrieren.

Jenia: Die Möbel haben wir zum Großteil selbst gebaut, auch um die Kosten niedrig zu halten, oder mit lokalen Handwerkern zusammengearbeitet. Ein Zimmermann aus Neukölln hat uns bei dem Bau des Tresens geholfen. Eine Stahlbaufirma aus Schöneberg hat die Tischgestelle angefertigt.

Wie habt ihr die Leute gefunden?

Jenia: Wir haben uns in der Nachbarschaft erkundigt. Und die Handwerker kennen sich ja auch untereinander und können dir helfen.

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Eine Hauptaufgabe der Betreiber: die Beschaffung besonderer Biere. Foto: Nailya Bikmurzina

Wir befinden uns hier mehr oder weniger direkt neben einer Moschee. Gab es nach der Eröffnung Probleme mit der muslimischen Gemeinde, weil ihr Alkohol ausschenkt?

Jenia: Überhaupt nicht, obwohl wir das befürchtet hatten. Der Pennymarkt neben uns war auch mal eine Moschee und unser Laden war vor Jahren sogar eine Moschee für Frauen.

Welche Erfahrungen habt ihr sonst noch gemacht – auch vielleicht solche, die ihr euch hättet sparen können? 

Jenia: Wir hatten ja vorher noch nie in der Gastronomie in Deutschland gearbeitet und so wussten wir zum Beispiel nicht, dass alle draußen sitzen wollen, wenn es warm ist oder auch nur ein bisschen die Sonne scheint. Wir hätten bei der Planung vielleicht noch mehr Außenbestuhlung berücksichtigen können.

Corbin: Wir haben deshalb den Außenbereich umgebaut und verwenden auch kleinere Tische. Außerdem haben wir den Außenbereich zur Straße etwas mehr abgeschirmt und mit Pflanzen alles etwas gemütlicher gestaltet.

Gab es sonst Anpassungen des Konzepts? Ihr habt ja zum Beispiel fast nur internationale Biere im Ausschank.

Jenia: Manchmal kommen Touristen rein und stellen dies fest, aber die werden dann in anderen Bars fündig (derer es in Neukölln ja noch einige gibt, Anm. d. Red.). Da wir aber, auch wenn die U-Bahn vor der Türe fährt, keine zentrale Lage haben, versuchen wir, unsere Kunden mit außergewöhnlichen Bieren zu locken.

Und wer sind Eure Kunden?

Corbin: Ich würde sagen, circa 60 Prozent unserer Kunden kommen nicht aus Deutschland. Viele kommen aus England, den USA und es gibt auch viele Italiener. Was ich gut finde: Auch wenn Berlin als Partystadt bekannt ist, haben sich die Leute viel mehr unter Kontrolle, auch wenn sie viel trinken. Wir haben eigentlich nie Probleme deswegen.

Ihr seid also zufrieden mit euren Gästen.

Jenia: Ja, wir sind sehr zufrieden. Die Kundschaft ist viel besser als in den Bars in Kanada, in denen ich gearbeitet habe.

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Tipp: Mit den Tasting-Trays lassen sich in einer „Session“ im Muted Horn gleich mehrere der Bierspezialitäten probieren. Foto: Redaktion

Wie kommt ihr an all die exklusiven Biere?

Jenia: Ein Großteil unserer Arbeit besteht darin, besondere Biere zu beschaffen. Wir haben über ein Dutzend Lieferanten.

Corbin: Darüber hinaus pflegen wir persönliche Kontakte zu den Brauereien, um noch besser auf dem Stand zu sein und die Biere unseren Gästen in ihrem Sinne präsentieren zu können.

Jenia: All unsere Gerätschaften, wie die Zapfanlage, die Leitungen bis hin zum Geschirrspüler sind darauf optimiert, perfektes Bier servieren zu können. 

Das klingt ja fast schon deutsch (lacht). Vielen Dank und viel Erfolg weiterhin! 

Muted Horn
Flughafenstraße 49
12053 Berlin 
 

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