
Kajo Hiesl und Vladislav Gachyn. Fotos: Unternehmen
Was mit einem überambitionierten Pommeskonzept begann, ist heute eine der erfolgreichsten Fastfood-Marken Deutschlands: Mit Smashburgern und Social-Media-Hype haben Vladislav Gachyn und Kajo Hiesl ihr „Goldies“ zum Star gemacht. Das Ziel: Burgerkette Nr. 3 in Deutschland werden – und noch vieles mehr.
„Dürfen wir kurz ein Foto mit euch machen?“ Mit dieser Frage treten zwei junge Gäste an die Eckbank in der Goldies Bar in der sechsten Etage des KaDeWe heran, in der wir uns zum Interview niedergelassen haben. Dürfen sie: Vladislav „Vladi“ Gachyn und Kajo Hiesl machen gerne Selfies mit ihren Fans. Die Gründer von Goldies sind in der Social-Media-Foodwelt längst bekannte Gesichter – sie haben schließlich den Smashburger in Deutschland zum Kult gemacht und lassen ihn in aktuell 18 Läden deutschlandweit auf den Planchas brutzeln. Viele Gäste denken gar, dass die Goldies-Story damit begann, erklärt uns Gachyn. Dass alles in der Sternegastronomie begann und die Geschichte mit Pommes weiterging, sei vielen jungen Gästen gar nicht bewusst.
Vom Dreisterner zum Fastfood-Laden
Fangen wir vorne an: Gestartet sind Gachyn und Hiesl in der Sternegastronomie, sie lernen sich 2013 im Vau bei Kolja Kleeberg in Berlin kennen und arbeiten dann auch zusammen bei Sven Elverfeld im Dreisterner Aqua in Wolfsburg. Beide wollen in Berlin ein Restaurant eröffnen, zunächst unabhängig voneinander, doch dann machen sie sich zusammen selbständig. Nicht mit Fine Dining jedoch, sondern mit Fastfood. Ihr Ziel: die besten Pommes des Landes – mindestens so gut wie in Belgien und den Niederlanden. Für ihr erstes Goldies in der Kreuzberger Oranienstraße nehmen sie einen Kredit über 120.000 Euro auf, investieren 17.000 Euro Eigenkapital und stemmen den Umbau größtenteils selbst. Sie investieren viel Geld in teure Fritteusen und Zeit in die Auswahl der richtigen Sorten, in die Zubereitungstechnik und die Verfeinerung durch hausgemachte Toppings und Saucen. Die „loaded fries“ mit Trüffeln und Pekingente sind hervorragend, es schimmert die Sterneküche durch.
Doch das Angebot ist auch sehr aufwendig zu produzieren, auch da kommt die Sterneküche durch. Goldies wird zur bekannten Adresse für Fastfood mit Gourmet-Flair, aber die Gründer arbeiten die ersten Jahre sechs Tage pro Woche durch, um am siebten auszuschlafen. Ein Mitgründer stieg früh aus, völlig ausgebrannt, das Geld wurde knapp, und die von Anfang an geplante Multiplikation rückte in weite Ferne, denn das Produkt erwies sich schnell als nicht skalierbar. „Frische Pommes muss man jeden Tag anders zubereiten“, erklärt Vladi Gachyn. Abhängig von Parametern wie den aktuellen Temperaturen und der Luftfeuchtigkeit muss eine Fritteuse für Spitzenpommes justiert werden wie eine Siebträgermaschine für Spitzenkaffee. Kompliziertes Kernprodukt, viel zu großes Sortiment – Goldies hätte an diesem Punkt auch stagnieren können.
Mit dem Smashburger kommt der Erfolg
Den Durchbruch bringt der „Smash Burger Friday“, den man 2021 als Pop-up einführt. Im Netz hatte man zuvor Videos aus den USA gesehen, in denen Foodikonen wie George Motz den flachen Burger feierten. Und das tun auch die Berliner: Lange Schlangen bilden sich vor dem Restaurant, alle sind heiß auf den flachen Burger mit Käse, der im Grunde eine Premium-Variante des Cheeseburgers von McDonald’s ist. „Das ist explodiert“, erinnert sich Kajo Hiesl. „Und wir haben eins und eins zusammengezählt.“

Mit dem neuen Produkt eröffnet im selben Jahr der zweite Store als reiner Straßenverkauf in der Kreuzberger Graefestraße. Wieder bilden sich enorme Schlangen. Hier ist das Angebot deutlich reduzierter als im ersten Laden – es gibt Smashburger in verschiedenen Varianten, auch vegetarische, dazu dünne Pommes. Der aus dem Franchise- und Consultingbereich kommende Unternehmer Jasko Celebic kontaktiert Gachyn und Hiesl, nachdem er ein Video von Food-YouTuber Lukas Galgenmüller über das trendige Konzept gesehen hat, und bietet ihnen eine Zusammenarbeit an. „Wir haben sofort gemerkt: Es matcht“, erklärt Vladi Gachyn, „und wir brauchten jemanden, der uns zwei Knallköpfe versteht“, führt er lachend fort.
Deutschlandweiter Rollout
Als geschäftsführendes Trio treiben sie die Expansion voran: 2023 eröffnen weitere Filialen in Berlin, unter anderem als Container-Popup auf dem Ku’damm, 2024 das erste Goldies außerhalb der Stadt in Frankfurt. 2025 beginnt der deutschlandweite Rollout und Mitte 2026 gibt es Betriebe in Aachen, Augsburg, Darmstadt, Dortmund, Düsseldorf, Essen, Karlsruhe, Köln, München und Nürnberg. Die Läden in Berlin und Nürnberg führen die drei selbst, die anderen sind Franchise-Betriebe. Aachen ist das erste Joint-Venture-Modell, das man gemeinsam mit einem Partner betreibt. Vladi kümmert sich um Marketing und Branding, Kajo steuert die Operations der eigenen Betriebe, Jasko ist für Controlling und das Franchising verantwortlich.

Neues Store-Design: Berlin-Schöneberg draußen …

… und drinnen …

… Goldies in Nürnberg …

… und in München
Heute ist die Produktion weitgehend an externe Partner ausgelagert, die Verteilung läuft über ein Zentrallager. Die Abläufe in den Restaurants sind komplett digitalisiert – nirgendwo kleben Papierbons, bezahlt wird bargeldlos. Per App checken die Mitarbeitenden Hygiene und Warenbestand oder werden beim Onboarding mit den Abläufen vertraut gemacht. Echtzeit-Kennzahlen sorgen für Transparenz in puncto Umsatz oder Personalproduktivität. „Die Anfangsinvestition war hoch, aber danach sparst du enorm viel Geld, weil dir viele Handgriffe abgenommen werden“, so Hiesl. „Und du drehst deine Zahlen ins Positive, weil du beim Personaleinsatz kein Geld mehr verbrennst“, fügt Vladi Gachyn hinzu.
Sein Wachstum stemmt „Goldies“ aus dem Cashflow, Investoren ins Boot zu holen ist derzeit nicht vorgesehen. Jedes Restaurant erwirtschaftet siebenstellige Umsätze im Jahr, der beste Betrieb liegt bei rund fünf Millionen Euro Umsatz. Den Breakeven erreichen viele Standorte schon im zweiten Jahr. Entsprechend ist die Zahl der Anfragen für Franchise-Partnerschaften – und die Absagequote – hoch. Auch hier muss die Chemie stimmen: „Die besten Partner sind die, die schon vorher Goldies-Fans waren“, so Vladi Gachyn.
Hauseigene Agentur für Food-Content
Stichwort Fans: Um ständig neuen Content für die Community kümmert sich die Inhouse-Agentur „Fried“ mit einem siebenköpfigen Team für Grafik, Fotografie, Video und Social Media, kürzlich wurde sogar eine Stelle für Art Direction besetzt. Im Webshop können Fans sich Stücke aus der ersten Modekollektion bestellen. „Goldies“ macht Marken-Kollaborationen und ist mit seinen Produkten auf Events vertreten. „Wir wollen einen Abdruck in der Popkultur hinterlassen“, so Gachyn. Gleichzeitig sei man sich sehr bewusst, dass Foodtrends kommen und gehen. Smashburger sind heute überall. „Man kann nicht ewig der Coolste bleiben. Wir haben den Hype kreiert, aber mit unseren Produkten sind wir wandlungsfähig.“ Für kleine Gäste wurden kürzlich Chicken Nuggets ins Sortiment aufgenommen, mit süßsaurer Sauce. Die neuen Stores haben mehr Platz für Kinderwägen, Wickeltische, gemütlichere Sitzflächen. Der Vergleich mit den Golden Arches liegt nahe. „Warum gehen die Eltern mit ihren Kindern zu McDonald’s? Weil sie all das dort haben. Darauf liefern wir eine Antwort. Wir wollen der coole Onkel werden.“ Und das perspektivisch auch auf der Raststätte, am Bahnhof, am Flughafen und international.
Keine Qualitätskompromisse
Trotz erklärtem Ziel, die Burgerkette Nummer drei in Deutschland zu werden, will man eines nicht: Abstriche in der Qualität zulassen. Die Rezepturen beruhen weiterhin auf eigener Entwicklung und werden in den Partner-Manufakturen umgesetzt. „Alleine die Mayonnaise aus Öl und Eigelb auf eine solche Produktion zu übersetzen hat zwei Jahre Entwicklung gebraucht“, berichtet Kajo Hiesl. „Keine Kette in Deutschland hat so hochwertige Saucen wie wir. Es gibt auch kaum eine, die ihre Gürkchen selbst macht – wir legen sie nach eigenem Rezept ein“, fügt sein Geschäftspartner hinzu. Lange dauerte es, bis die Fleischmischung des aus Deutschland stammenden und verarbeiteten Färsenfleischs die Ansprüche der beiden Profiköche erfüllte. Irgendwann wollen sie auch die aus den USA importierten „Martin’s Potato Rolls“, die in Geschmack, Textur und Konsistenz den idealen Bun darstellen, durch Selbstgebackenes ersetzen – am Rezept wird noch gefeilt.
Retro-Diner in der Feinkost-Etage
In der 2025 eröffneten Goldies Bar präsentiert sich die Marke noch mal auf eine ganz andere Weise. In der einem US-Diner nachempfundenen Location gibt es unter anderem Buffalo Chicken Wings, Sandwiches, Mini-Smashburger (Slider) und einen üppigen Steakhouse-Burger mit 60 Tage gereiftem Dry-Aged-Beef. Jetzt kommt auch ein All-Day-Breakfast-Angebot hinzu. Das Essen wird auf Porzellantellern serviert, die in Zusammenarbeit mit der Manufaktur KPM entwickelt wurden. „Sie werden ziemlich oft geklaut“, berichtet Vladi Gachyn lachend.


Der Steakhouse-Burger
Dazu gibt es Milchshakes, Champagner glas- und flaschenweise – „KaDeWe“ eben – und Cocktails: Mit Kristin Giehl stieß kürzlich eine branchenbekannte Bartenderin (Hildegard Bar Berlin, High Five Tokio) zum Team, die ihre eigenen Kreationen einbringt. „Kollegen sagen uns, dass wir mit der Goldies Bar auch in Metropolen wie London gehen könnten“, berichtet Vladi Gachyn. An eine Fläche zu gelangen, dürfte kein Ding der Unmöglichkeit sein, zumal der neue KaDeWe-Eigentümer Central Group auch dort ein Kaufhaus betreibt, ebenso in Hamburg, München, Italien, Irland, den Niederlanden und der Schweiz. So viel steht fest: Auserzählt ist die Goldies-Story noch lange nicht.
